04
August
Die „Sein oder Schein“-Generation
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© Ekaterina Mucha

Zwischen zahlreichen Beauty-Tipps, Reise-Erlebnissen und Co. wollte ich diese Woche einmal ein Thema mit euch besprechen, was mir schon lange am Herzen liegt: Unrealistische Schönheitsideale, die durch soziale Netzwerke wie Instagram befeuert werden, und der Wunsch, dazuzugehören, von gewissen sozialen Gruppen anerkannt und akzeptiert zu werden, und zwar nur durch äußerliche Signale, wie in einem preziösen Bezirk zu wohnen, die richtige Automarke zu fahren und die teuerste Kleidung zu tragen. Und – die mit all dem verbundene Sein oder Schein Generation.

Schönheitsideale rund um den Globus

Schönheitsideale unterscheiden sich stark je nachdem, auf welches Fleckchen Erde man gerade blickt. Beispielsweise gilt in Asien helle Haut als begehrenswert. Ein Überbleibsel aus der Kolonialzeit, wo ein dunkler Teint darauf schließen ließ, dass man viel auf dem Feld arbeitet und somit zur niederen Bevölkerungsschicht gehörte.

In meiner Heimat Russland hingegen gilt: „Mehr ist mehr“. Zumindest was das Make-up betrifft. Dort gibt es kein „too much“. Außerdem würde keine Russin, die etwas auf sich hält, das Haus ungeschminkt verlassen. 

Im Gegensatz dazu ist es in Frankreich genau umgekehrt. So wenig Make-up wie möglich und ja keine Perfektion. Hier gilt: Kleine Makel machen besonders. Eine außergewöhnliche Ausstrahlung ist es, was als „schön“ bezeichnet wird.

© Ekaterina Mucha

Vom Schönheitswahn zum Suizid

In der heutigen Zeit wandeln sich solche Ideologien aber schnell und tendieren dazu, sich weltweit anzugleichen. Und Soziale Medien spielen eine aktive Rolle in der Vermittlung dieser vermeintlichen Schönheitsideale. Öffnen wir beispielsweise Instagram, finden wir schier unendlich viele ideal retuschierte Bilder mit unzähligen Filtern. Und ob man will oder nicht – wir alle vergleichen uns damit. Selbst wenn dies nur unterbewusst passiert, kann es dazu führen, dass man mit dem eigenen Körper immer unzufriedener wird.

Wir alle leben im Moment in einer „Möchte sein“-Realität. Das ist vor allem gefährlich für junge Menschen, da Teenager meist noch kein stabiles Selbstbild haben. Gründe dafür sind unter anderem die Umstellung des Hormonhaushaltes und die stetige Entwicklung des Körpers. Jeden Tag mit unrealistischen Schönheitsidealen konfrontiert zu werden, kann schlimm enden. So sind manchmal die Folgen des Instagram-Konsums Depressionen oder gar Selbstmord. Vom Schönheitswahn zum Suizid. Schrecklick.

Aber nicht nur die Psyche leidet. Bei manchen Menschen – und vor allem bei Frauen – geht es oft sogar noch weiter: Sie entfernen sich Rippen, um die Taille schmaler aussehen zu lassen, um nur ein Beispiel zu nennen. Und dieser Spaß kostet natürlich ordentlich Geld. Nicht selten kommt es vor, dass sich Menschen mit mehreren Krediten verschulden, um sich plastisch chirurgische Eingriffe zu ermöglichen.

Wenn ihr mich fragt, sollten soziale Netzwerke hier endlich eingreifen und handeln. Ebenso wie gewisse Begriffe zensiert werden, sollte es auch eine „Zensur“ geben, die stark retuschierte Bilder verbietet. Denn – der perfekte Körper existiert nicht. Und genau so sollten wir uns auch im Internet präsentieren.

Niemand ist perfekt

Sicherlich bin auch ich nicht frei von dieser „Sein oder Schein“-Generation. Auch ich poste Fotos mit dem Hintergedanken, einen gewissen Effekt zu erzielen. Schließlich will man ja dazugehören. Dies zwingt viele Leute auf Instagram beispielsweise auch, sich selbst einen Blumenstrauß zu kaufen, nur um dann ein Foto damit zu posten – und zwar mit dem Text „mein Schatz hat mich überrascht“. Oder sie lassen sich mit Prominenten ablichten, nur um für eine Minute ein „Teil“ der Celebrity-Welt zu sein. Das geht sogar soweit, dass sich manche Leute Häuser oder Wohnungen für einen Tag anmieten, um dann dort Fotos zu machen, oder im Falle von Personen des öffentlichen Lebens dort Home-Storys für das Fernsehen oder die Zeitung zu drehen. Quasi nach dem Motto „Schau, was ich mir alles leisten kann“ – obwohl das alles purer Fake ist.

Ebenso verhält es sich mit anderen Statussymbolen, wie etwa teuren Autos, Designer-Klamotten, Uhren und Schmuck, oder Besuchen in VIP-Clubs und Fine Dining Restaurants. Die einzigen, die hier wirklich profitieren, sind die Menschen und Konzerne in der Luxus-Industrie.

Der Grund dafür: Je mehr man mit derartigen Dingen – gerade über Soziale Medien – konfrontiert wird, desto mehr steigt der Drang, geliebt, anerkannt und ernst genommen zu werden. Das ist es, was die Menschen zu solch sinnlosen Taten treibt.

© Ekaterina Mucha

Liebe dich selbst

Der erste Schritt in die richtige Richtung ist, mit sich selbst im Reinen zu sein. Sich selbst genau so zu lieben, wie man ist. Der Kriegsplan dafür lautet wie folgt: Finde deine Stärken heraus und sei dir dessen bewusst. Körperlich wie charakterlich. Das kannst du entweder durch Selbstreflexion alleine schaffen, oder du fragst zum Beispiel deine beste Freundin.

Eine Frau hat besonders tolle Beine, eine andere einen ansehnlichen Oberkörper mit schönes Dekolleté, Rücken und Hals, eine dritte etwa einen knackigen Po. Finde heraus, was deine besten Seiten sind, und beachte sie bei deiner Kleiderwahl. Setze dich und deine Schokoladenseite perfekt in Szene.

Ein zweiter Tipp, den ich euch mit auf den Weg geben möchte, ist: Jede Frau muss ihre Farbe, ihren perfekten Farbton finden. Passt die Farbe deiner Kleidung nämlich nicht zu deinem Hautunterton, wirkt man schnell blass und müde. Deshalb lohnt es sich, herauszufinden, welche Farbe besonders gut zu einem passt.

© Ekaterina Mucha
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